Worum geht es?
Wer denkt, dass „Fake News“ ein Privileg von „Schwurblern“ sind, sollte sich nachstehend eines besseren belehren lassen. Wenn denn willens????
Es geht um eine (beabsichtigt!?) „fehlerhafte“ Berichterstattung von plusminus über die Vitamin D Versorgung in Deutschland.
Auslöser war die Sendung „Vitamin D – Wer mit dem Hype das große Geld macht“.
In erster Linie geht es um folgendes (aus meinem Beitrag):
Um die Behauptung des Präparatherstellers (Anm.: Fa. Merck), dass „80 % der deutschen Bevölkerung eine Vitamin-D-Unterversorgung haben“, zu widerlegen, wird in der Sendung das Robert-Koch-Institut (RKI) wie folgt zitiert.
(RKI): „Insgesamt weisen 30,2 Prozent der Erwachsenen (…) zwischen 18 und 79 Jahren (…) eine mangelhafte Versorgung auf.“
(Quelle: GESUNDHEITSBERICHTERSTATTUNG DES BUNDES | GEMEINSAM GETRAGEN VON RKI UND DESTATIS (Dezember 2016)
Der springende Punkt ist folgender:
Unterversorgung / mangelhaften Versorgung: alles das Gleiche?
Zunächst spricht plusminus von einer „Unterversorgung“, das zitierte RKI dann aber plötzlich von einer „mangelhaften Versorgung“ (einem Mangel!)!
Die „mangelhafte Versorgung“ ist lediglich eine Teilmenge der „gesamten Unterversorgung“!
Argumentatorisch wird also die Gesamtmenge mit der in der Gesamtmenge enthaltenen Teilmenge gleichgesetzt. Das ist sachlich schlicht FALSCH!
Bei einer seriösen Berichterstattung ist dies entsprechend zu berücksichtigen und nicht kommentarlos gleichzusetzen!
Die gesamte Unterversorgung beläuft sich gemäß RKI zwar nicht auf 80 %, aber immerhin doch auf rund 60 % der deutschen Bevölkerung – wenn man andere Grenzwerte heranzieht (wie hier z. B.), ist es noch nicht mal gänzlich ausgeschlossen, dass sogar die 80% hinkommen (siehe auch Techniker Krankenkasse).
Das hat mich weiter beschäftigt. Wie kann plusminus derart FALSCH argumentieren? Und warum?
Um auf diese Fragen Antworten zu erhalten, bin ich per E-Mail mit plusminus in Kontakt getreten.
Positiv zu erwähnen ist, dass überhaupt geantwortet wurde. Die Antworten selbst jedoch … lest selbst!
plusminus – Eingeständnis der Falschdarstellung
Die komplette Korrespondenz – einschließlich der vollständigen Antworten von plusminus – ist HIER einsehbar.
Folgend die wesentlichen Punkte und Antwortteile von plusminus. Zur besseren Übersicht habe ich die m. M. n. relevanten Passagen hervorgehoben.
1. E-Mail-Anfrage an plusminus vom 10.04.18
Meine 1. E-Mail-Anfrage an plusminus vom 10.04.18: Ich gebe Ihnen recht, dass das Robert-Koch Institut nicht zu der Einschätzung kommt, dass „80 Prozent der deutschen Bevölkerung eine Vitamin-D-Unterversorgung“ haben. Aber immerhin kommt das Robert-Koch Institut auf eine Unterversorgung von rund 60 % der deutschen Bevölkerung. Wäre das nicht eine Erwähnung wert gewesen? Um die Behauptung des Präparatherstellers, dass „80 % der deutschen Bevölkerung eine Vitamin-D-Unterversorgung haben“, zu widerlegen, wird von Ihnen das Robert-Koch-Institut (RKI) zitiert.„Insgesamt weisen 30,2 Prozent der Erwachsenen (…) zwischen 18 und 79 Jahren (…) eine mangelhafte Versorgung auf.“Zunächst sprechen Sie von einer „Unterversorgung“, das zitierte RKI dann aber plötzlich von einer „mangelhaften Versorgung“ (einem Mangel!)! Ist dies bei einer seriösen Berichterstattung nicht entsprechend zu berücksichtigen und nicht kommentarlos gleichzusetzen? | Antwort von plusminus auf meine 1. E-Mail-Anfrage vom 10.04.18 (s. links): … vielen Dank für Ihre Zuschrift. Sie beziehen sich auf einen Beitrag, den Plusminus im Sommer 2017 ausgestrahlt hat. Da Sie uns nun schreiben, gehe ich davon aus, dass Sie den Film im Netz oder als Wiederholung in einem der ARD-Sender gesehen haben. Ich erwähne das, weil der Stand der Beitragsinhalte fast ein Jahr alt ist. Dies ist wichtig, da die Firma Merck nach Veröffentlichung des Films die Werbebroschüre für Vitamin-D-Tabletten inzwischen geändert hat. Die Seiten, in denen das Robert Koch Institut mit Studien zitiert wird und für die firmeneigene Argumentation von Merck herangezogen wird, gibt es nicht mehr. Dieser Teil des Films ist somit überholt und wird von mir daher auch nicht mehr kommentiert. (darüber hinaus viel Allgemeingeschwurbel, was nicht einen der von mir angefragten Punkt konkret beantwortet) |
Typisch! Im Schulwesen würde dergleichen wohl mit dem Kommentar „Thema verfehlt“ versehen werden. Ich frage KONKRET hinsichtlich des von plusminus aufgeführten falschen Vergleichs an und dass das von plusminus selbst zitierte RKI immerhin eine Unterversorgung der deutschen Bevölkerung von rund 60 % ausweist (was plusminus geflissentlich ignoriert). Als Antwort bekomme ich irgendeine Reaktion der Firma Merck aufgetischt. Kein Wort zu den eigentlichen Anfragen!
Obwohl, das ist nicht ganz richtig. Es gibt ja einen Kommentar zum eigentlichen Thema. Nämlich dass „Dieser Teil des Films … nicht mehr kommentiert wird“.
So einfach ist das. Viel Antworten ohne zu Antworten; das ist „Politikersprech“. Kritisches Hinterfragen ist offensichtlich unerwünscht! Der Zusatz, dass es „Plusminus wichtig ist Zusammenhänge zu erklären und Trends und Entwicklungen zu hinterfragen.“ wirkt angesichts dessen wie eine Verhöhnung.
Es wird noch besser!!
Diese völlig unzureichenden „Antworten“ konnte ich natürlich nicht unkommentiert stehen lassen. Daher habe ich die Korrespondenz weiter geführt:
2. E-Mail-Anfrage an plusminus vom 22.05.18
Meine 2. E-Mail-Anfrage an plusminus vom 22.05.18: Es ist völlig unerheblich, was, wann, wie und ob überhaupt die Firma Merck etwas geändert hat. Das ist für mein Anliegen bzw. meine Anfrage belanglos. Ich beziehe mich nicht auf die Reaktionen der Firma Merck, sondern auf IHREN Beitrag. Und diesbezüglich muss ich mich bedauerlicherweise wiederholen: In IHREM Beitrag wird – nach wie vor – ausgeführt, dass… (Hier folgt die Wiederholung von Obigem; jedoch mit folgender Ergänzung:) IHRE Widerlegung der Merck’schen Aussage hätte m. E. etwa wie folgt lauten müssen: .. Wir fragen beim Robert-Koch Institut in Berlin nach und bekommen eindeutig ein Dementi: „Insgesamt weisen rund 60 Prozent der Erwachsenen (…) zwischen 18 und 79 Jahren (…) eine Vitamin-D-Unterversorgung auf.“ Und vielleicht noch ergänzend: „Von diesen insgesamt rd. 60 Prozent mit einer Vitamin-D-Unterversorgung, weisen 30,2 Prozent der Erwachsenen (…) zwischen 18 und 79 Jahren (…) eine mangelhafte Versorgung auf.“ | Antwort von plusminus auf meine 2. E-Mail-Anfrage vom 22.05.18 (s. links): Ich habe Ihre Fragen aus meiner Sicht beantwortet. Ich habe Ihnen unsere Recherchewege geschildert und erläutert, welche Studien nach allgemein gültigen wissenschaftlichen Kriterien berücksichtigt wurden. Auch haben wir uns intensiv mit dem RKI ausgetauscht, das RKI im Beitrag zitiert, die genannten Zahlen kommen vom RKI. Es ging um die Zahl „Unterversorgung in Deutschland “ in der Merck-Broschüre. Dort wird die Zahl 80 % genannt. Dazu das Zitat vom RKI und im Folgenden das Antwort -Zitat vom RKI. Nicht wir haben so argumentiert, sondern das RKI: … Diese Argumentationsfolge ist die des RKI. Sie haben recht, man hätte es auch in Ihrer Version machen können, das wäre dann aber nicht die Antwort des RKI auf unsere Frage zur Merck-Broschüre gewesen. |
Auch hierauf habe ich noch geantwortet. Die Antwort entglitt mir angesichts der dummdreisten Frechheit von plusminus allerdings etwas zu sehr ins Aggresiv-Emotionale. Insofern lasse ich das hier lieber ungezeigt und versuche nachstehend sachlich zu argumentieren:
Schlussfolgerungen / Epilog
(meine Interpretation der Dinge)
Schlussfolgerungen
Letztlich hat plusminus die Falschdarstellung eingestanden. Die Begründung „Nicht wir haben so argumentiert, sondern das RKI“ ist eine Offenbarung – im negativen Sinne.
Zwei Varianten sind denkbar:
- plusminus übernimmt „ausversehen“ blind und ungeprüft die falsche „Argumentationsfolge“ des RKI.
- plusminus war sich der falschen „Argumentationsfolge“ bewusst, hielt es aber nicht für nötig, dies durch entsprechende Kommentierungen aufzuklären.
Beide Varianten sind für mich gleichermaßen absolut inakzeptabel!
Sollte die plusminus’sche Falschdarstellung tatsächlich aufgrund der blinden Übernahme der Aussage des RKI ohne Plausibilitätsprüfung „ausversehen“ geschehen sein, ist „Stümperei“ eine noch zu wohlwollende Beschreibung dafür. Dieser durch Zwangsgebühren finanzierte Laden ist zu schließen!!
Ich persönlich tendiere eher zur zweiten Variante und gehe von einer wissentlichen Falschdarstellung aus. Einen versehentlichen Fauxpas kann ich mir, angesichts der plusminus sicherlich zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Mittel, einfach nicht vorstellen. Darüber hinaus ging es nicht um Atomphysik. Es ging um den Abgleich von zwei Werteangaben in zwei Tabellenspalten und deren Überschriften. Ein durchaus machbares Unterfangen(!); dafür muss man nicht studiert haben.
M. E. war das Ergebnis des Beitrags vorbestimmt. Die Firma Merck war abzuwatschen (zugegebenermaßen nicht ganz zu unrecht). Dieser Fehltritt war dann als Aufhänger heranzuziehen, um das ganze Thema „unzureichende Vitamin D Versorgung“ (zu unrecht) kleinzureden. Was sonst – außer noch Variante 1 – würde als Erklärung Sinn ergeben? Über die mögliche Zielsetzung kann nur spekuliert werden. Insgesamt sehe ich – und habe das als Betroffener mit festgestelltem, langfristigem Vitamin D-Mangel selbst zu spüren bekommen – kein „übersteigertes“ Interesse, die tatsächlichen Zahlen und mögliche Auswirkungen unverblühmt aufzuzeigen. plusminus ist lediglich eine Stimme in diesem großen, stimmlosen Chor. Weitere Überlegungen dazu würden an dieser Stelle zu weit führen; recherchiert selbst nach und macht euch ein eigenes Bild!
Fakt ist, dass sich plusminus im Grunde der selben Mittel bediente, wie die kritisierte Firma Merck – was offenbar egal war. Der Zweck heiligte die Mittel?!?
Seriöse Berichterstattung ist anders!! Fake News nicht!!
Manipulierte Statistiken entlarven … Unter Verbreitern sogenannter Fake News sind sie ein beliebtes Mittel für Stimmungsmache und Hetze, täuschen sie doch einen wissenschaftlichen Beleg vor. Nicht selten werden dabei aus Statistiken die falschen Schlüsse gezogen oder die Realität bewusst verzerrt. (>>)
Anmerkung: Die Seite der Faktenfinder wurde seit damals natürlich weitergeführt und geändert, vorstehendes Zitat findet sich dort nicht mehr. Ihr habt aber mein Wort, das ist ein Originalzitat von der damaligen Faktenfinder-Seite!
Epilog
- Die Falschdarstellung war ewig in der Mediathek der ARD online. Eine Korrektur bzw. Richtigstellung gab es, wider besseres Wissen, nicht.
- Auch wird es aus dem Hause plusminus niemals eine Sendung geben, die aufzeigt, dass das RKI falsch argumentiert hat – da plusminus selbst diese Richtung „zwischen den Zeilen“ ins Feld führt, wäre das eigentlich erforderlich!
- Wie bereits erwähnt, ich war selbst von einem schweren Vitamin D Mangel betroffen. Nachdem ich davon erfuhr, habe ich mich intensiv mit der Materie beschäftigt. Hätte ich das nicht getan, wäre mir die Falschdarstellung von plusminus wahrscheinlich gar nicht aufgefallen. Böswillig kann man mutmaßen, dass die zwangsläufige Unwissenheit der Konsumenten – wer kann schon zu jeder Thematik umfassend informiert sein? Niemand! – vorsätzlich genutzt wird „um falsche Schlüsse herbeizuziehen oder die Realität bewusst zu verzerren.“
- Wie viele Falschdarstellungen liegen ansonsten noch vor, ohne dass man sie auf Anhieb erkennt?
FAKE NEWS vom Feinsten!
Trennt euch von der Illusion einer seriösen Berichterstattung
der als ach so seriös propagierten
und faktenfinderischen öffentlich-rechtlichen Sender!
Kümmert euch selbst darum!!
P.S.: Manch einem mag mein ausführliches Eingehen auf dieses Thema wie unnötige Erbsenzählerei vorkommen. Wir reden hier jedoch nicht über „Peanuts“:
30,2 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren entsprechen überschlägig rund 23 Millionen Menschen!! (>>)
23 Millionen Menschen, die einen Mangel an Vitamin D aufweisen!!
Rund 60 Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren entsprechen überschlägig rund 45 Millionen Menschen!!
45 Millionen Menschen, die eine Unterversorgung an Vitamin D aufweisen!!
Angesichts dieser Zahlen von einem „Mythos“ zu reden (wie plusminus), ist für mich schlicht eine Frechheit! In meinen Augen aber ein klarer Beleg dafür, dass es plusminus nicht in erster Linie um irreführende Werbung ging, sondern darum, das Thema Vitamin D und jeden, der sich damit beschäftigt, als belanglos darzustellen!